Korrektur erworbener Penisdeviationen infolge Induratio penis plastica (IPP)

Als Ursache für eine Induratio penis plastica (IPP) gilt eine Störung des Bindegewebestoffwechsels, bei dem das elastische Bindegewebe der Schwellkörperhülle in ein fibröses, sprödes Bindegewebe umgewandelt wird. Dieses Bindegewebe führt zu einer Schrumpfung der Schwellkörperhülle und hat eine Penisverkrümmung zur Folge, die zu Beschwerden beim Geschlechtsverkehr führt. Diese Verformung des Penis kann nur durch eine operative Begradigung behoben werden. Herkömmliche Verfahren führen dabei zu einer nennenswerten Verkürzung des Penisschaftes. Prof. Dr. med. Sven Lahme hat 2002 eine Operationsmethode publiziert, bei der die Korrektur der Peniskrümmung durch Streckung des Penisschaftes und Deckung des Schwellkörperdefektes durch Kollagenvlies korrigiert wird. Diese Methode ist besonders bei ausgeprägten Penisdeviationen erfolgreich und ist mittlerweile als neuer Standard der Operationstechnik etabliert.

Kurzinfo Korrektur Penisdeviation (IPP)

Indikation Penisdeviation mit funktionellen Beschwerden beim Geschlechtsverkehr
Prinzip Streckung der Penisdeviation durch Inzision der Kurvatur-Innenseite. Deckung des resultierenden Defektes mit Kollagenvlies
OP-Zeit ca. 1-2 Stunden
Aufenthalt 3-4 Tage
Hinweis Vollnarkose zu empfehlen

Fragen zur Diagnose und Therapie einer erworbenen Penisverkrümmung (IPP):

Die Induratio penis plastica, die auch als Peyronie-Krankheit (engl. Peyronie´s Disease) bezeichnet wird, ist eine Erkrankung des Bindegewebes, bei der das elastische Bindegewebe in ein fibröses, sprödes Bindegewebe umgewandelt wird. Die Ursache der Krankheit ist bis heute ungeklärt. Möglicherweise besteht eine genetisch bedingte Veränderung des Kollagenstoffwechsels, die zusammen mit Verletzungen des Schwellkörpergewebes die Entstehung von Plaques auslöst. Die IPP tritt häufig mit einem Morbus Dupuytren auf, bei der es zu ähnlichen Schrumpfungsprozessen an den Beugesehnen der Hände kommt.

Typische Symptome von Patienten mit Induratio penis plastica sind: Verhärtungen des Penis, Verkrümmung des Penis, Verkürzung des Penis, Einschnürungen des Penis (sog. „Sanduhrdeformität“), Erektionsstörungen, Behinderungen beim Geschlechtsverkehr, Schmerzen des Penis ohne Erektion, Schmerzen des Penis bei der Erektion. Wichtig ist die Abgrenzung zur angeborenen (kongenitalen) Penisdeviation. Penisdeviationen infolge IPP treten erst im Laufe des Lebens, meist im 5. Lebensjahrzehnt, auf, während angeborene Penisverkrümmungen vom Kindesalter an bestehen. Angeborene Penisverkrümmungen sind fast immer nach unten gerichtet, während Penisdeviationen infolge IPP meistens nach oben gerichtet sind.

Eine Operation bei IPP ist dann sinnvoll, wenn aufgrund der Verkrümmung des Penis der Geschlechtsverkehr behindert oder nicht mehr möglich ist. Die Operation ist dabei nur eine Behandlung der Penisverkrümmung, aber keine Behandlung der zugrundeliegenden Bindegewebserkrankung. Trotz erfolgreicher Streckung des Penisschaftes durch Operation kann es deshalb durch Neuauftreten der IPP zu einer erneuten Penisverkrümmung kommen. Damit dieses Risiko minimiert ist, sollte die Operation erst im sog. stabilen Erkrankungsstadium der IPP durchgeführt werden. Ob eine IPP in der stabilen Phase ist, ist meistens nur durch fachkundige urologische Untersuchung festzustellen.

Wenn die IPP in der sog. stabilen Phase ist, kann eine Operation zur Streckung des Penisschaftes durchgeführt werden. Vor der Operation sind neben den allgemeinen Untersuchungen die urologische Untersuchung mit Ultraschall und die Erfassung der Penisdeviation durch künstliche Erektion erforderlich.

Neben den allgemeinen Risiken jeder Operation, wie Blutung, Entzündung und Störung der Wundheilung, gibt es bei der Operation einer Penisverkrümmung weitere, spezielle Risiken. Da die Grunderkrankung durch die Operation nicht geheilt wird, besteht ein Risiko für eine neue Penisdeviation durch erneuten Krankheitsschub der IPP. Die Lösung des Gefäß-/Nervenbündels kann in seltenen Fällen zu einer dauerhaften Beeinträchtigung des Gefühls an der Eichel führen. Trotz Streckung des Penis kann eine Penisverkürzung durch die Operation nicht sicher vermieden werden. Alle etwaigen Risiken des operativen Eingriffs werden vor der Operation in einem ausführlichen Aufklärungsgespräch besprochen.

Fragen zur Korrektur von Penisdeviationen bei IPP

Es erfolgt die Lösung der Penisschafthaut über einen Schnitt, wie bei einer Beschneidungsoperation. Anschließend wird das Gefäß-/Nervenbündel vorsichtig gelöst. Im Scheitelpunkt der Penisverkrümmung wird dann die Schwellkörperhülle quer eingeschnitten. Dadurch resultiert eine Streckung des Penisschaftes. Der durch die Streckung des Penisschaftes resultierende Defekt der Schwellkörperhülle wird durch die Auflage eines Kollagenvlieses gedeckt. Das Gefäß-Nervenbündel wird zurückverlegt. Der Eingriff endet mit der Adaptation der Penisschafthaut.

Die Aufnahme zur Operation erfolgt am Operationstag. Nach der Operation ist die stationäre Behandlung für 3 Tage zu empfehlen. Man kann nach etwa einem Monat nach der Entlassung aus der Klinik wieder Sex haben. Es empfiehlt sich, 1-2 Wochen nach der Entlassung noch nicht zu arbeiten und sich körperlich etwas zu schonen.

Während der Operation wird der Erfolg der Korrekturoperation durch künstliche Erektion überprüft. Die Operation wird erst dann beendet, wenn die Begradigung vollständig ist. Da die Korrektur der Penisdeviation die zugrunde liegende Krankheit nicht heilt, besteht auch nach erfolgreicher Korrektur der Penisverkrümmung eine Gefahr für Wiederauftreten der Induratio penis plastic mit Penisdeviation von ca. 10-15%.

Zur Streckung des Penisschaftes ist die Lösung des Gefäß-/Nervenbündels in der Mittellinie des Penisschaftes erforderlich. Diese Nerven sind sehr empfindlich und während der Operation nur schwer zu erkennen. Die Ablösung des Gefäß-/Nervenbündels muss deshalb sehr vorsichtig und in einer geeigneten Technik erfolgen. Wird das Gefäß-/Nervenbündel unsachgemäß gelöst, so kann es zu dauerhaften Störungen des Gefühls der Eichel führen. Erfahrung in der Lösung des Gefäß-/Nervenbündels ist deshalb unerlässlich. Prof. Dr. med. Sven Lahme hat diese Operation über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren ca. 1500-mal durchgeführt.