Artikel in der Stuttgarter Zeitung

10.09.2026

Mann, hab keine Angst vor deiner Prostata

Prostatakrebs ist das häufigste Tumorleiden bei Männern. Doch nicht immer müsse sofort behandelt werden, erklärt der Urologe Sven Lahme. Wie eine schonende Therapie gelingen kann.

Die Scheu vieler Männer, zum Urologen zu gehen, ist weit verbreitet: Nach Angaben von Krankenkassen nutzen drei von vier Männern die Krebs-Früherkennung beim Urologen nicht. Dabei lassen sich Tumore in der Vorsteherdrüse oft rechtzeitig diagnostizieren und erfolgversprechend behandeln. Darauf zu warten, bis Beschwerden auftauchen, sei dagegen gefährlich, warnen Urologen wie Sven Lahme, Ärztlicher Direktor der Goldstadt Privatklinik, die sich auf urologische Medizin spezialisiert hat. Denn Prostatakrebs verursacht im Frühstadium oft keine Beschwerden.

Wie läuft die Früherkennung ab?

Es gibt mittlerweile verschiedene Untersuchungsmethoden, mit denen sich frühzeitig feststellen lässt, ob ein Tumor in der Prostata gewachsen ist: Neben dem Abtasten der Vorsteherdrüse kann der PSA-Wert im Blut bestimmt werden, also das Prostata-spezifische Antigen. ,,Dazu kommt die sogenannte transrektale Ultraschalluntersuchung, bei der die Anatomie der Prostata heutzutage sehr gut dargestellt werden kann", so Lahme. Seit fünf bis acht Jahren hat sich die multiparametrische MRT-Untersuchung bewährt: Ein bildgebendes Verfahren, das zwischen gutartigen Prostataveränderungen sowie Krebs sehr zuverlässig unterscheiden und welches Informationen über das Stadium des Tumors liefern kann. ,,Diese Untersuchungsmethode wird aber meist verordnet und ist auch dann erst sinnvoll, wenn ein konkreter Verdacht vorliegt", sagt Lahme.

Wie wichtig ist der PSA-Wert?

Nach den neuen Empfehlungen der Leitlinie sollte jeder Mann ab etwa 45 Jahren einen PSA-Test vornehmen lassen. Das Eiweiß wird übetwiegend von der Prostata produziert, Tumorzellen bilden deutlich mehr PSA als normale Zellen. Daher können erhöhte Werte im Blut auf Krebs hinweisen. Der PSA Wert kann auch aus anderen Gründen erhöht sein. Und wenn aufgrund des PSA-Werts Karzinome aufgespürt werden, ist es durchaus möglich, dass sie zu Lebzeiten keine Beschwerden machen. "Daher empfehlen wir, bei erhöhten PSA-Werten nicht sofort eine Biopsie vorzunehmen, sondern erst eine multiparametrische MRT-Untersuchung." Erst danach - bei abzuklärenden Befunden, sollten Gewebeproben entnommen werden. Allerdings ist diese Vorgehensweise bislang noch kein Teil der gesetzlichen Krebsfrüherkennung, warnt Lahme.

Wie erfolgt die Abklärung, ob ein Tumor langsam oder aggressiv wächst?

„Man kann die Bösartigkeit eines Tumors mittels keiner anderen Untersuchung bestimmen als mit einer Gewebeprobe-Entnahme", sagt Lahme. Normalerweise entnehmen Ärzte dabei unter Ultraschallkontrolle zehn bis zwölf Proben aus verschiedenen Bereichen der Prostata. Manche Kliniken wenden die sogenannte Fusionsbiopsie an. So, wie sie auch in den neuen Leitlinien empfohlen wird: Hier führen Radiologen vor der Biopsie eine Magnetresonanztomografie (MRT oder K.ernspintomografie) der Prostata durch. ,,Mit Hilfe dieser Aufnahmen lassen sich verdächtige Bereiche in der Prostata genauer identifizieren", sagt Lahme. Anschließend können Ärzte eine gezielte Biopsie mit weniger Proben durchführen.

Wie kann festgestellt werden, ob ein Tumor Metastasen gebildet hat?

Steht der Verdacht im Raum, dass sich der Krebs in einem lokal fortgeschrittenen Stadium befindet und der Tumor durch die Wand der Prostata gewachsen und sich Krebszellen in der direkten Nachbarschaft ausgebreitet haben könnten, braucht es weitere Untersuchungen, erklärt Lahme. Der Experte empfiehlt dann eine PSMA-PET/CTUntersuchung. ,,Darunter versteht man eine Kombination mehrerer bildgebender Methoden zur Diagnostik von Prostatakrebs", so Lahme. Sie erlaubt eine farbige Markierung spezieller Eiweiße, die bei Prostatakrebszellen stark auftreten. Diese können durch Bildgebung sichtbar gemacht werden.

Wie umgeht man bei einer Operation gefürchtete Nebenwirkungen?

Die Operationsmethoden sind - insbesondere dank der roboterassistierten Verfahren - besser geworden, sagt Lahme. ,,Mit Hilfe des Da-Vinci-Roboters, mit dem wir bei Prostatakrebs generell operieren, haben wir einen dreidimensionalen Blick auf das Operationsgebiet." Dementsprechend präzise kann operiert werden - ohne den HarnröhrenSchließmuskel zu schädigen. Ähnlich erfolgreich ist Lahme beim Erhalt der Erektionsfähigkeit - zumindest bis zu einem gewissen Grad: ,,Je kleiner das Karzinom, desto sicherer können wir ohne Gefährdung des onkologischen Resultates die Erektionsnerven schonen." Doch nicht in jeder Klinik wird roboterassistiert operiert: ,,Das Gerät ist für die Kliniken in der Anschaffung sehr teuer", so Lahme. Bis zu zwei Millionen Euro kostet die neue Operationshilfe. Auch die laufenden Kosten sind für die Kliniken erheblich. Dennoch verweist Lahme auf den Versorgungsauftrag, den Kliniken haben: "Medizinisch gesehen würde ich immer zu einer roboterassistierten Operation raten."

Quelle: Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten

العودة إلى النظرة العامة

Der YouTube Kanal der Goldstadt Privatklinik

Der urologische Videoratgeber

Urologie verständlich erklärt

Jeden Freitag erscheint ein neues Erklärvideo zu urologischen Krankheitsbildern, Untersuchungen und Therapien.