- Kein Harndrang vor dem Urinverlust.
- Urinverlust bei körperlicher Belastung (Husten, Niesen, Lachen, Sport, beim Aufstehen)
- Urinverlust meist in kleinen bis mittleren Mengen
- Beschwerden verstärken sich bei voller Blase
- Häufig bei Frauen (z. B. nach vaginalen Geburten, Beckenbodenschwäche)
- Bei Männern meist nach Eingriffen an der Prostata
Harninkontinenz - Ursachen, Formen und moderne Behandlung
Mit dem Fachbegriff Harninkontinenz bezeichnet man einen unfreiwilligen Urinverlust – unabhängig von der Ursache. Beim belastenden Thema des ungewollten Urinverlustes – einer Inkontinenz – sucht man sich aus Scham häufig erst relativ spät ärztliche Hilfe.
Zum Grundverständnis muss man wissen, dass das Wasserlassen ein Prozess ist, der durch zwei Komponenten beeinflusst wird: Die Blasenwand zieht sich zusammen, und der Urin wird bei gleichzeitiger Öffnung des Schließmuskels aktiv aus der Blase hinausgepresst. Kommt es zu einer Störung dieses Zusammenspiels, kann ungewollter Urinverlust auftreten. Durch eine urologische Untersuchung lässt sich die Ursache der Störung zuverlässig herausfinden, die für die Störung verantwortlich ist, sodass anschließend eine gezielte Therapie empfohlen werden kann.
Die gute Nachricht lautet: Eine Harninkontinenz ist in der Regel gut behandelbar und in vielen Fällen auch heilbar.
FAQ zu Harninkontinenz: Die wichtigsten Fragen im Überblick
Harninkontinenz bezeichnet jeden unwillkürlichen Urinverlust. Die Ursachen reichen von einer Schwäche des Schließmuskels oder Beckenbodens über eine überaktive Blasenmuskulatur bis hin zu Störungen der Blasenentleerung oder neurologischen Erkrankungen.
Man unterscheidet prinzipiell zwei Hauptformen der Inkontinenz. Bei der Belastungsinkontinenz kommt es aufgrund einer Schwäche des Schließmuskels oder Beckenbodens zu unwillkürlichem Urinverlust bei körperlicher Belastung, etwa beim Husten, Niesen oder Heben. Die Dranginkontinenz ist durch einen plötzlich einsetzenden, kaum kontrollierbaren Harndrang gekennzeichnet, der durch eine überaktive Blasenmuskulatur oder eine Störung der Nervensteuerung verursacht wird. Daneben gibt es Mischformen, bei denen beide Mechanismen gleichzeitig auftreten.
Die Zuordnung ergibt sich häufig bereits aus dem Muster der Beschwerden. Bei einer Belastungsinkontinenz tritt der Urinverlust ausschließlich in Situationen körperlicher Belastung auf. Eine Dranginkontinenz zeigt sich durch plötzlich einsetzenden, kaum kontrollierbaren Harndrang, der unmittelbar zu Urinverlust führen kann. Die endgültige Einordnung erfolgt durch eine urologische Untersuchung.
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei einer Belastungsinkontinenz steht die Stärkung des Beckenbodens im Vordergrund. Die Therapie der Dranginkontinenz erfolgt meist medikamentös, sofern keine andere behandlungsbedürftige Ursache vorliegt. In ausgewählten Fällen kommen auch operative Verfahren zum Einsatz.
Ja. Je nach Ursache kann eine Inkontinenz medikamentös oder durch operative Therapien vollständig heilbar sein oder zumindest sehr gut behandelt werden. Auch nach Operationen kann sich die Kontinenz im Verlauf wieder verbessern.
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, sobald unwillkürlicher Urinverlust regelmäßig auftritt oder als belastend empfunden wird. Je früher die Ursache geklärt wird, desto gezielter kann die Behandlung erfolgen.
Welche Formen der Harninkontinenz gibt es?
Belastungsinkontinenz
Bei der Belastungsinkontinenz sind der äußere Schließmuskel und gegebenenfalls der Beckenboden geschwächt. Typisch ist ein Urinverlust bei körperlicher Belastung, etwa beim Husten, Niesen, Lachen, Heben oder beim Aufstehen aus dem Liegen.
Dranginkontinenz
Die Dranginkontinenz entsteht durch eine überaktive Blasenmuskulatur. Sie tritt häufig im fortgeschrittenen Lebensalter auf. Charakteristisch ist ein plötzlich einsetzender, kaum kontrollierbarer Harndrang, der unmittelbar zu Urinverlust führen kann.
Reizblase
Die Dranginkontinenz ist eine Unterform der sogenannten Reizblase (Overactive Bladder). Während die Reizblase zunächst nur einen plötzlichen Harndrang beschreibt, kommt es bei der Dranginkontinenz zusätzlich zu einem unwillkürlichen Urinverlust.
Mischinkontinenz
Bei der Mischinkontinenz treten Belastungs- und Drangsymptome gleichzeitig auf. In seltenen Fällen kann eine Harninkontinenz auch durch neurologische Erkrankungen bedingt sein, bei denen die Steuerung der Blasenfunktion gestört ist.
Inkontinenz bei Männern und Frauen: Ursachen und Unterschiede
Inkontinenz bei Männern
Bei Männern dominiert die Dranginkontinenz. Ursache ist häufig eine Prostatavergrößerung ab etwa dem 50. Lebensjahr, die zu einer Verdickung der Blasenwand führt und unbehandelt nach Jahren eine überaktive Blasenmuskulatur begünstigt. Eine Belastungsinkontinenz tritt bei Männern hingegen meist im Zusammenhang mit Eingriffen an der Prostata auf. Während bei herkömmlichen Operationsverfahren wie der offenen Operation bei Prostatakrebs oder der Prostataausschabung mittels elektrischer Schlinge (TUR-P) bei gutartiger Prostatavergrößerung ein relevantes Risiko für eine Inkontinenz besteht, ist dieses Risiko bei modernen Verfahren deutlich geringer. Insbesondere die roboterassistierte da Vinci Prostatektomie sowie die Ausschälung der Prostata mit dem Holmium-Laser (HoLEP) bei gutartiger Prostatavergrößerung ermöglichen heute eine Operation unter Erhalt der Kontinenz.
Inkontinenz bei Frauen
Bei Frauen tritt überwiegend eine Belastungsinkontinenz auf. Häufige Ursachen sind eine Schwächung des Beckenbodens, insbesondere nach vaginalen Geburten. Auch eine Senkung des Beckenbodens kann mit zunehmendem Alter zu einer Inkontinenz führen.
Symptome der Harninkontinenz
Die Symptome einer Harninkontinenz unterscheiden sich je nach Form deutlich. Während bei Frauen häufig eine Belastungsinkontinenz vorliegt, dominiert bei Männern die Dranginkontinenz. Die folgende Übersicht zeigt die typischen Unterschiede:
- Plötzlicher, starker Harndrang, kaum kontrollierbar
- Urinverlust auf dem Weg zur Toilette
- Häufiges Wasserlassen am Tag
- Nächtlicher Harndrang (Nykturie)
- Häufig bei Männern (z. B. bei Prostatavergrößerung), aber auch bei Frauen
- Betrifft Männer und Frauen
Neurologische Ursachen: In seltenen Fällen kann eine Dranginkontinenz auch durch neurologische Erkrankungen ausgelöst werden, etwa bei Multipler Sklerose, Morbus Parkinson, nach einem Schlaganfall oder bei Rückenmarkverletzungen. Hier ist die Steuerung der Blasenfunktion gestört, was zu einer überaktiven Blasenmuskulatur führen kann.
Wie wird Harninkontinenz diagnostiziert?
Zur Abklärung einer Harninkontinenz ist eine gezielte urologische Untersuchung erforderlich. Ziel der Diagnostik ist es, die zugrunde liegende Ursache des unwillkürlichen Urinverlustes eindeutig zu bestimmen, da hiervon die weitere Behandlung abhängt. Die Diagnostik beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und einer körperlichen Untersuchung zur Einordnung der Beschwerden. Eine Ultraschalluntersuchung dient der Beurteilung der Blasenentleerung und der Messung von Restharn, um zu erkennen, ob die Blase beim Wasserlassen vollständig entleert wird.
Eine zentrale Rolle spielt die urodynamische Untersuchung (Blasendruckmessung). Dabei wird die Blase über einen Katheter langsam gefüllt; Drucksensoren erfassen den Füllungsdruck, den Harndrang und die Aktivität der Blasenmuskulatur. Ergänzend kann eine Stressprofilometrie durchgeführt werden, um bei Hustenstößen die Funktion des Schließmuskels und des Beckenbodens zu beurteilen. Eine Blasenspiegelung erfolgt, wenn strukturelle Veränderungen der Harnröhre oder der Blase ausgeschlossen werden sollen. Erst durch diese genaue Diagnostik kann die passende Therapie ausgewählt und gezielt durchgeführt werden.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Harninkontinenz?
Die Behandlung der Harninkontinenz richtet sich nach der zugrunde liegenden Form der Inkontinenz. Entscheidend ist die genaue Diagnostik, da sich daraus die passende Therapie ableitet. Wichtig zu wissen: Harninkontinenz kann durch zwei grundlegend unterschiedliche Mechanismen entstehen: Entweder durch eine überaktive Blasenmuskulatur (Dranginkontinenz) oder durch eine Schwäche des Schließapparats (Belastungsinkontinenz). Beckenbodengymnastik ist nur bei einem geschwächten Schließmuskel zielführend, hat jedoch keinen Einfluss auf eine überaktive Blasenmuskulatur. Deshalb ist Beckenbodengymnastik nicht bei jeder Form der Inkontinenz sinnvoll.
Belastungsinkontinenz
Bei einer Belastungsinkontinenz steht zunächst ein gezieltes Training des Beckenbodens im Vordergrund, um die Funktion des Schließmuskels zu verbessern. Reicht dies nicht aus, können operative Verfahren eingesetzt werden. Bei Frauen können Harnröhrenschlingen oder -bänder (TVT, TOT, Mini-Slings) eingesetzt werden, die unter der Harnröhre platziert werden und diese stabilisieren. Bei Männern ist dieses Verfahren in der Regel nicht ausreichend wirksam. Hier kann bei ausgeprägter Schließmuskelschwäche ein künstlicher Schließmuskel (AUS – Artificial Urinary Sphincter) eingesetzt werden.
Dranginkontinenz
Die Therapie der Dranginkontinenz zielt darauf ab, die Aktivität der Blasenmuskulatur zu regulieren. Dazu gehören Medikamente, die die Blasenwand entspannen, sowie ein strukturiertes Blasentraining. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine Injektion von muskelentspannenden Medikamenten in die Blasenwand erfolgen, um die überaktive Muskulatur gezielt zu beruhigen.
Neurologisch bedingte Inkontinenz
Neurologisch bedingte Formen erfordern eine individuelle Therapieplanung, die sich an der jeweiligen Grunderkrankung und der Blasenfunktion orientiert.
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, stehen moderne minimalinvasive Verfahren zur Verfügung, die gezielt an der Ursache der Inkontinenz ansetzen.
Therapieformen im Überblick
Schließmuskel / Beckenboden geschwächt
Beckenbodentraining, operative Verfahren
Überaktive Blasenmuskulatur
Medikamentöse Therapie, Blasentraining
Kombination beider Mechanismen
Individuelle Kombination der Therapien
Mehr Informationen finden Sie in den Videos:
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Inhalt dieses Videos:
Dranginkontinenz
Leiden Sie unter ständigem Harndrang oder verlieren Sie Urin, bevor Sie die Toilette erreichen?
Dann könnte eine überaktive Blase – medizinisch Dranginkontinenz – die Ursache sein. Dabei zieht sich der Blasenmuskel zu früh und zu stark zusammen.
Inhalt des Videos:
- Unterschied: Drang- vs. Belastungsinkontinenz
- Anatomie & Ursache der Dranginkontinenz
- Botox – Wirkweise und Injektionstechnik
- Wirkungsdauer und mögliche Risiken
- Urodynamische Untersuchung als Grundlage
- Vorteile gegenüber Medikamenten
- Zusammenfassung
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Inhalt dieses Videos:
Blasenspiegelung (Zystoskopie)
So läuft sie ab
In diesem Video erfahren Sie alles Wichtige zur Blasenspiegelung – einer endoskopischen Untersuchung der Harnblase bei Männern und Frauen.
- Zweck: Abklärung feiner Veränderungen der Blasenwand, z. B. bei Blut im Urin, Verdacht auf Tumore, Blasensteine oder Entleerungsstörungen.
- Ablauf: Untersuchung unter sterilen Bedingungen mit Gleitgel und örtlicher Betäubung.
- Bei Frauen: Verwendung eines starren Endoskops – kurze, gerade Harnröhre ermöglicht einfache Untersuchung.
- Bei Männern: Einsatz eines flexiblen Endoskops, das sich den natürlichen Biegungen der Harnröhre anpasst – dadurch schmerzarm und schonend.
- Technik: Moderne Videooptik („Chip-on-the-Tip“) liefert klare Bilder; bei Bedarf können kleine Eingriffe oder Gewebeentnahmen direkt erfolgen.
- Vorteile: Sichere Diagnostik, präzise Beurteilung der Blasenwand, heute nahezu beschwerdefrei.
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Inhalt dieses Videos:
Inkontinenz nach Prostata-OP?
Ist ein künstlicher Schließmuskel die Lösung?
Hier gibt es alles Wichtige zum künstlichen Schließmuskel: wann er eingesetzt wird, wie er funktioniert und wie die Operation abläuft. Außerdem für wen er geeignet ist, welche Komponenten es gibt und worauf Patienten achten sollten?
- Eingesetzt bei Belastungsinkontinenz durch unzureichende Schließmuskelfunktion
- Bestandteile: Silikonmanschette um die Harnröhre, Reservoir im Bauchraum,Pumpe im Hodensack (bei Frauen in den äußeren Schamlippen).
- Ablauf: Implantation über einen oder mehrere kleine Schnitte, Manschette unterhalb des Beckenbodens, Reservoir im unteren Bauchraum, Pumpe tastbar im Hodensack.
- Funktionsweise: Manschette hält Harnröhre geschlossen, Überdruck gesteuert durch Flüssigkeit im Reservoir, Blasenentleerung durch Betätigung der Pumpe.
- Ziel: Wiederherstellung der Kontinenz und deutliche Verbesserung der Lebensqualität bei schwerer Belastungsinkontinenz.
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Inhalt dieses Videos:
Warum verliere ich Urin?
Diagnose & Behandlung
In diesem Video erklärt Prof. Dr. med. Sven Lahme die wichtigsten Ursachen der Harninkontinenz und zeigt, warum die Unterscheidung zwischen Belastungsinkontinenz und Dranginkontinenz entscheidend für die Behandlung ist.
- Was bedeutet Inkontinenz?
- Anatomie von Blase und Schließmuskel
- Zwei Hauptformen der Inkontinenz
- Belastungsinkontinenz einfach erklärt
- Dranginkontinenz & überaktive Blase
- Mischformen der Inkontinenz
- Warum Beckenbodentraining nicht immer hilft
- Urodynamik: Blasendruckmessung erklärt
- Therapie je nach Inkontinenzform
- Fazit: Erst Diagnose, dann gezielt behandeln
Therapien
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Autor
Ärztlicher Direktor der Goldstadt-Privatklinik.
Spezialist für Urologie, Mini-PCNL und Roboterassistierten Operationen mit dem da Vinci System.
Mitglied in wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Gutachter von wissenschaftlichen Fachzeitschriften.
