Prostatakrebs mit Metastasen: Sofort behandeln oder abwarten?

Ein Prostatakarzinom mit Metastasen wird in der Regel mit Medikamenten behandelt. Diese Behandlung kann die Erkrankung nicht heilen, sie hat Nebenwirkungen und verlängert die Lebenszeit nur begrenzt. Prof. Dr. med. Sven Lahme, Urologe und ärztlicher Direktor der Goldstadt Privatklinik in Pforzheim, erklärt, wann und in welcher Form eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist und was mit Blick auf Lebensqualität und Lebenszeit bedacht werden sollte.

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Inhalt dieses Videos:

Prostatakrebs mit Metastasen

Therapie oder Abwarten?

Wann ist eine medikamentöse Therapie von Prostatakrebs, bei dem Metastasen aufgetreten sind, sinnvoll und wann kann Abwarten die bessere Entscheidung sein? Das Video zeigt, warum Krankheitsverlauf, Dynamik des PSA-Werts, bestehende Metastasen, Beschwerden und der allgemeine Gesundheitszustand sorgfältig berücksichtigt werden müssen.

  • Lokal vs. metastasiert: Grundprinzipient
  • Warum Medikamente bei Metastasen nötig sind
  • Nebenwirkungen und Lebensqualität
  • Palliative Therapie: Ziele und Grenzen
  • Behandlungsstrategien im Vergleich
  • Chemotherapie: Nutzen und Belastung
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt?
  • PSA-Wert richtig einordnen

Lokal begrenzt oder metastasiert: zwei verschiedene Behandlungsziele

Lokal begrenzter Prostatakrebs
Situation
Tumor ist auf die Prostata beschränkt
Behandlung
lokal: Bestrahlung von außen, Bestrahlung von innen (Brachytherapie) oder Entfernung der Prostata
Ziel
Heilung (kurativ), Lebenserwartung bei Erfolg nicht eingeschränkt
Prostatakrebs mit Metastasen
Situation
Absiedlungen in Lymphknoten oder anderen Organen
Behandlung
medikamentös, wirkt im ganzen Körper
Ziel
Fortschreiten bremsen (palliativ), keine endgültige Heilung

Haben sich bereits Metastasen gebildet, hilft eine lokale Behandlung der Prostata allein nicht mehr. Medikamente wirken dagegen im ganzen Körper und erreichen auch mikroskopisch kleine Tumorzellen, die in der Bildgebung noch nicht sichtbar sind.

Nebenwirkungen der medikamentösen Behandlung

Die medikamentöse Behandlung gilt als gut verträglich, ganz ohne Nebenwirkungen ist sie aber nicht. Sie entzieht dem Tumor das männliche Geschlechtshormon Testosteron, das er zum Wachsen braucht. Das kann typische Begleiterscheinungen haben, teils verzögert oder schleichend:

  • Müdigkeit und nachlassende Aktivität
  • Neigung zur Gewichtszunahme
  • Hitzewallungen
  • Knochenentkalkung
  • Verlust der Erektionsfähigkeit und des Bartwuchses

Viele Patienten berichten, dass sie nur noch einen Bruchteil ihrer gewohnten Gartenarbeit schaffen. Jede medikamentöse Therapie geht damit mehr oder weniger mit einem Verlust an Lebensqualität einher.

Chemotherapie

Bei der klassischen Chemotherapie, etwa mit Docetaxel, sind die Nebenwirkungen zu Beginn deutlich stärker, mit Blutbildveränderungen und regelmäßigen Klinikbesuchen. Laut wissenschaftlichen Daten bringt sie einen Lebensgewinn von etwa vier bis sechs Monaten, bei einer Therapiedauer von drei bis sechs Monaten.

Der richtige Zeitpunkt: Warum Abwarten sinnvoll sein kann

Ziel der Behandlung ist eine möglichst lange Lebenszeit bei gleichzeitig guter Lebensqualität. Prof. Lahme vergleicht verschiedene Strategien:

Strategie:
Sofortiger Behandlungsbeginn bei Feststellung der Metastasen
Lebensqualität
Nebenwirkungen über die gesamte Zeit
Lebenszeit
nur geringer Überlebensvorteil
Strategie:
Zunächst abwarten, später behandeln
Lebensqualität
gute Lebensqualität bis zum Behandlungsbeginn
Lebenszeit
im Großen und Ganzen etwa gleich
Strategie:
Behandlung mit Pausen
Lebensqualität
Phasen ohne Nebenwirkungen
Lebenszeit
im Großen und Ganzen etwa gleich

Metastasen verursachen oft zunächst keine Beschwerden. Da ein späterer Behandlungsbeginn die Gesamtlebenszeit nach Einschätzung von Prof. Lahme nicht wesentlich verkürzt, gewinnt der Patient in der Zwischenzeit Lebensqualität.

PSA steigt: Ist das ein Grund zur Behandlung?

Eine fortschreitende Erkrankung zeigt sich meist an einem steigenden PSA-Wert. Ziel der Behandlung ist aber nicht ein niedriger PSA-Wert, sondern ein langes Leben mit guter Lebensqualität. Der bloße Anstieg des PSA-Werts ist nach Einschätzung von Prof. Lahme deshalb kein ausreichender Grund für eine aktive Behandlung.

Besser ist es, zunächst den Verlauf zu beobachten und abzuschätzen, wie schnell der PSA-Wert steigt. Eine aktive Behandlung ist dann sinnvoll, wenn Beschwerden auftreten oder die PSA-Verdopplungszeit sehr kurz ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lokal begrenzter Prostatakrebs wird mit dem Ziel der Heilung behandelt, metastasierter medikamentös und palliativ.
  • Jede medikamentöse Therapie hat Nebenwirkungen und schränkt die Lebensqualität ein.
  • Der Zeitpunkt des Behandlungsbeginns beeinflusst die Gesamtlebenszeit kaum.
  • Ein steigender PSA-Wert allein ist kein ausreichender Grund für eine Behandlung.
  • Behandelt werden sollte bei Beschwerden, Komplikationen oder sehr kurzer PSA-Verdopplungszeit.

Beratung bei metastasiertem Prostatakrebs in Pforzheim

Patienten mit Prostatakrebs und Metastasen oder mit steigendem PSA-Wert nach einer Behandlung können sich in der Goldstadt Privatklinik beraten lassen oder eine Zweitmeinung zum weiteren Vorgehen einholen. Termine sind über das Kontaktformular oder telefonisch unter 07231 41 99 20 möglich.

Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Entscheidung über Zeitpunkt und Art der Behandlung muss individuell getroffen werden.

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