Prof. Dr. med. Sven Lahme im BUNTE Interview
13.05.2026
Nykturie: Frauen und Männer sind anders betroffen
Klassisches Problem im Alter: nächtliche Toilettengänge, die aus dem Schlaf reißen. Experten sprechen dann von einer sogenannten Nykturie. Expertenschätzungen zufolge leiden bis zu 75 Prozent aller Menschen über 70 Jahren daran. „Nächtliches Wasserlassen lässt sich selten auf nur eine einzelne Ursache zurückführen.
Ursachen können mit der Harnblasenkapazität zusammenhängen, aber auch Störungen des Kreislaufs oder der Herzfunktion können Auslöser sein“, erklärt Prof. Sven Lahme, Ärztlicher Direktor der Goldstadt Privatklinik. „Bei Frauen ist das Hauptproblem des nächtlichen Wasserlassens eine Überempfindlichkeit der Harnblase, eine sogenannte Reizblase“, weiß der Urologe. Bei Männern sei häufig die größer werdende Prostata schuld, welche die Harnröhre eindrücke. So lässt sich die Blase nicht mehr komplett entleeren und sie ist gereizt. „Deshalb müssen Patienten mit vergrößerter Prostata oftmals nachts die Harnblase entleeren, auch wenn die Gesamturinmenge überschaubar ist“, so Lahme.
„Ein verstärkter Harndrang in der Nacht sollte in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden“, betont Prof. Lahme. „In diesem Rahmen sollte stets auch eine Beurteilung der Kreislaufsituation und der Herzfunktion erfolgen.“ Erst auf dieser Basis kann geklärt werden, welche Ursache im Vordergrund steht und welche Therapie sinnvoll ist. Oft können eine Anpassung der Trinkmenge sowie ein Medikamentenwechsel oder eine ursächliche Therapie helfen. Bei Männern mit gutartiger Prostatavergrößerung stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die gezielt den Harndrang in der Nacht reduzieren. „Diese Medikamente dürfen jedoch nur nach ärztlicher Untersuchung verordnet werden, damit keine nachteiligen Effekte der Therapie auftreten“, weiß der Urologe. Männer sollten zudem ab dem 45. Lebensjahr die urologische Vorsorge in Anspruch nehmen.
Quelle: BUNTE Ausgabe 21/2026
